Offenes Gespräch zum verbreiteten Schweigen von Tätern, Verfolgten und Zuschauern nach 1945
Wer Robert Lembke war, ist der älteren Generation vollkommen klar: Robert Lembke war das Gesicht der Quizsendung „Was bin ich?“, die über 30 Jahre lang im Abendprogramm der ARD zu sehen war. Er war außerdem in leitenden Funktionen des Bayerischen Rundfunks tätig, auch als Verantwortlicher für die Übertragung der Olympischen Sommerspiele in München 1972. Im Mittelpunkt des Salongesprächs stand aber – bezogen auf Robert Lembke – die Frage: „Wer war ich?“.
Günther Weinhart informierte zunächst über das Leben Robert Lembkes (geb. 1913) während dessen Zeit im Nationalsozialismus. Hintergrund ist der Film „Robert Lembke – Wer bin ich?“ von Martin Weinhart (über youtube abrufbar).
Robert Lembke überlebte als Halbjude den Nationalsozialismus durch einen Namenswechsel und am Ende durch ein Leben im Versteck. Das Besondere daran ist, dass Robert Lembke nach 1945 mit niemandem über diese Vergangenheit gesprochen hat. Es herrschte Schweigen, denn das „Schweigen ist eine uneinnehmbare Festung“ (R. Lembke).
Dieses „Doppelleben“ war für die Besucherinnen und Besucher Anlass für die Schilderung eigener Erfahrungen mit dem „Schweigen von Tätern, Verfolgten und Zuschauern nach 1945“, so das Thema des – trotz hochsommerlicher Temperaturen – gutbesuchten Salongesprächs. Genannt wurden Politiker, deren nationalsozialistische Vergangenheit erst spät entdeckt wurde; die gefälschten Hitler-Tagebücher; ein Katalog, in dem aktuell Nazi-Devotionalien angeboten werden; Orte in der Umgebung, die auch heute wieder rechtsnationale Zentren sind; die Möglichkeit, die eigene Familiengeschichte während der nationalsozialistischen Diktatur nachzuvollziehen. Mehrfach berichtet wurde auch von Erfahrungen mit Lehrpersonen, die vermutlich im Nationalsozialismus aktiv und dennoch nach 1949 im Schuldienst waren.
Hingewiesen wurde abschließend auf den Vortrag „Demokratie in Gefahr“ am 12.10.2026.
